Langfristige Kooperation mit dem Hans-Sachs-Berufskolleg (HSBK), Oberhausen

Dank Vermittlung der Schülerin Vanessa Strack konnte mit dem Hans-Sachs-Berufskolleg (HSBK), Oberhausen, ein für den ZAC e.V. wichtiger Kooperationspartner für die technischen Planungen der unterschiedlichsten Gewerke beim Bau des Kinderdorfes gewonnen werden. Schulleiter OStD Marc Bücker und der stellvertretende Schulleiter Dr. Ing. Sascha Geifes haben nach einem ausführlichen Gespräch eine langfristige angelegte Zusammenarbeit zugesagt. Die Leistungen des HSBK erfolgen für den ZAC e.V.  kostenfrei.

Im ersten Schritt wurden im Juli 2017 im Rahmen einer Projektwoche der Klasse FH 11 die wesentlichen Grundlagen für die Planung der Bauphase 1 gelegt. Nach gemeinsamer Erarbeitung eines Anforderungskataloges bekamen die in Gruppen aufgeteilten Schüler der FH 11, alles angehende Techniker,  den Auftrag, diverse Kinderhausmodelle zu entwerfen. Konkret ging es um die technische Planung der Kinderhäuser mit unterschiedlichen Anforderungsprofilen (siehe auch Diashow).

DSC00004

StD Dr.-Ing. Sascha Geifes bei der Präsentation der Projektarbeiten

Ansatz 1: Kinderhaus für 12 Kinder und House-Mama mit Küche, Gemeinschaftsraum
3 Schlafräume á 4 Kinder in Doppelbetten, Raum für die House-Mama, Abstellraum, Duschen, Toiletten,raumoptimiertes Konzept, basierend auf geringem Raumverbrauch.

Ansatz 2: Kinderhaus für 12 Kinder und House-Mama mit Küche, Gemeinschaftsraum,
3 Schlafräume á 4 Kinder in Doppelbetten, Raum für die House-Mama. Abstellraum, Duschen, Toiletten, großzügigere Gestaltung.

Ansatz 3: Kinderhaus für 12 Kinder und House-Mama ohne Küche, Gemeinschaftsraum, 3 Schlafräume á 4 Kinder in Doppelbetten, Raum für die House-Mama, Abstellraum, Duschen, Toiletten.

Ansatz 4:  Kinderhaus für 12 Kinder und House-Mama mit Küche unter Berücksichtigung eines Raumkonzepts für die Integrierung eines Kindes mit Handicap,
3 Schlafräume á 4 Kinder in Doppelbetten, Raum für die House-Mama, Abstellraum, Duschen, behindertengerechte Dusche und Toilette samt Wickelmöglichkeit, Toiletten.

Hausentwurf Beispiel2

Eine von vielen Außenansichten aus den Entwürfen des HSBK für ein Kinderhaus.

Hausentwurf Beispiel 1

Einer von mehreren Entwurfsvorschlägen – Grundriss eines Kinderhauses

Screenshot_2

Grundriss des künftigen, zweiteiligen Gemeinschaftshauses, entwickelt von den Technikern des HSBK-Oberhausen, finalisiert in Zusammenarbeit mit unseren tansanischen Mitarbeitern vor Ort.

Ein Dorf für die Zukunft

„Umbele Village“ soll es heißen, das lebensfreundliche Dorf für bis zu 60 Kinder, das wir bis zum Jahr 2022 schrittweise errichten wollen. „Umbele“ ist Kisuaheli und bedeutet übersetzt „Zukunft, Aussicht, Perspektive“. Genau das möchte der ZAC seinen Schützlingen dort bieten. Ein ausgezeichnet geeignetes Grundstück (45.000 m²) im Biodiversitäten-Reservat der Usambara-Berge im ländlichen Nordosten des Landes wurde uns von der MeTL-Group kostenfrei zur Verfügung gestellt. Aktuell bemühen wir uns intensiv um das entsprechende Baurecht.

Auf dem Grundstück wollen wir schrittweise insgesamt fünf Familienhäuser errichten, in denen jeweils zwölf Kinder leben und betreut werden können. Diese Häuser in Massivbauweise mit pfannengedecktem Satteldach sollen mit jeweils drei geräumigen Schlafräumen Platz für 12 Kinder bieten. Die für jedes Haus vorgesehene Betreuerin („House-Mama“) bewohnt ihr eigenes Zimmer.

Herzstück des Dorfes soll ein geräumiges Gemeinschaftshaus sein, wo man sich in einem freundlichen Speisesaal auch zum Einnehmen der Mahlzeiten trifft. Es soll über eine entsprechend der Dorfbelegung mitwachsende Küche und einen angrenzenden Vorratsraum verfügen. Auch die sanitären Einrichtungen für alle Dorfbewohner, also Duschen, Waschbecken und Toiletten, befinden sich unmittelbar am Gemeinschaftshaus.

Screenshot_4

Außenansicht des zweiteiligen Gemeinschaftshauses.

Geplant ist, dass sich die Hauptgebäude im Kinderdorf um einen zentralen überdachten Treffpunkt gruppieren. Hier liegt auch ein überdachter Spielplatz, wenige Schritte weiter ein kleines Fußballfeld. Genügend Bäume sollen für ausreichend schattige Plätze auf dem gesamten Areal sorgen.

Neben den Familienhäusern und dem Zentralgebäude plant der ZAC mehrere weitere Gebäude: eine geräumige Ausbildungswerkstatt (Schlosserei und Näherei), ein Haus mit Schlafplatz und Büro für die Dorfleitung, ein kleines Empfangsgebäude, eine Dorfgarage mit Geräteschuppen und einen eigenen Hofladen im Eingangsbereich des Grundstücks. Dort sollen Menschen aus der nahen Umgebung eventuelle Produktionsüberschüsse der Dorfgemeinschaft aus ihrer eigenen Nutztierhaltung und aus dem Anbau von Obst und Gemüse kaufen können.

Entsprechende Flächen für Kleinfelder und Beete sowie Stallungen für Nutztiere wie etwa Hühner und Ziegen wollen wir hinter dem Gemeinschaftshaus anlegen. Sie dienen zuvorderst der Selbstversorgung des Dorfes mit Nahrungsmitteln. Erwirtschaftete Überschüsse wandern, ebenso wie selbst erzeugte Waren aus Schreinerei und Näherei, zum Verkauf in den Hofladen.

Natürlich braucht das Kinderdorf auch seine eigene kleine Infrastruktur. Zur Stromversorgung soll ein Energiehäuschen mit moderner Solartechnik entstehen. Dort aus Sonnenenergie erzeugter Strom kann nicht nur zum Eigenbedarf genutzt werden. Sondern auch als Tauschgut für Dienstleistungen (z.B. für das Aufladen von Mobiltelefonen) oder auch für Nahrungsmittel aus der Dorfnachbarschaft.

Im einem Wasserturm wollen wir Wasser speichern und auch die Pumpanlage sowie die Filtertechnik (PAUL-System) für die Trinkwasser-Versorgung des Dorfes installieren. Gewonnen wird das kostbare Nass über ein Frischwasserbecken, das von einem kristallklaren Bergbach, der das Grundstück durchfließt, gespeist wird. Brauchwasser für die sanitären Anlagen wird aus der Regenwasserspeicherung gewonnen. Hierfür wird eigens eine Zisterne angelegt. Dieses Wasser soll in den Trockenperioden auch zum Bewässern der landwirtschaftlichen Nutzflächen dienen.

Zur künftigen, nachhaltigen Finanzierung des Kinderdorfes sollen später noch zwei weitere Häuser (Lodges) entstehen. Hier könnten sich Touristen einmieten, die die tansanische Natur und Wildnis erleben möchten und damit zugleich unserem Dorf zu eigenen Einkünften verhelfen. Unterkunft bieten könnten diese Gebäude aber auch ehrenamtlichen Helfern unseres Projekts.

 

 

 

 

Warum Tansania?

In der föderalen Republik Tansania leben 2017 mehr als 50 Mio. Menschen. Die Bevölkerung wächst weiterhin stark, eine tansanische Frau bringt heute im Durchschnitt rund 5 Kinder zur Welt. So ist der ostafrikanische Staat  auch demographisch ein besonders junges Land, deutlich über 40% der Tansanier sind nicht einmal 15 Jahre alt.

Flächenmäßig ist Tansania mehr als zweieinhalb mal so groß wie Deutschland. Mit dem Kibo, Afrikas höchstem Gipfel im Kilimandscharo-Massiv, dem Serengeti-Nationalpark und Anteilen an den drei größten Seen des Kontinents bietet das artenreiche Land weltbekannte Naturschönheiten. Hauptstadt ist Dodoma, der Regierungssitz Dar es Salaam. Die Nationalsprache ist Swahili, Amtssprache Englisch. Im Land werden jedoch 125 Sprachen gesprochen. Christentum und Islam sind landesweit mit einem Anteil von je rund 40% in etwa gleich weit verbreitet, verschiedene Naturreligionen ergänzen das spirituelle Leben in Tansania.

Tanzania-1920x850

Naturvolk der Massai

Seine Geschichte ist jung und vor allem geprägt von den Kolonialmächten. Im Jahr 1885 meldete die „Gesellschaft für deutsche Kolonisation“ territoriale Ansprüche für das deutsche Kaiserreich an und versuchte, eine deutsche Kolonie aufzubauen. Als dieser Versuch 1888 mit einem Aufstand der Einheimischen zusammenbrach, antwortete das deutsche Reich mit militärischer Gewalt. Im Ergebnis entstand die Kolonie „Deutsch-Ostafrika“.

kilimanjaro-Tanzania

Mount Kilimanjaro Nationalpark

Während des Ersten Weltkriegs eroberten dann belgische und britische Truppen das Festlandgebiet des heutigen Tansania. Es geriet damit, britisch verwaltet als Tanganyika Territority, unter Völkerbundmandat.

Erst 1961 schließlich entließen die Briten Tanganyika in die Unabhängigkeit. Das Land schloss sich mit der 1964 ebenfalls unabhängig gewordenen Insel Sansibar dann zum heutigen Staat zusammen, zur Vereinigten Republik Tansania.

Tansania zählt heute zu den ärmsten Ländern der Erde.  Fast die Hälfte der Bevölkerung lebt von weniger als 2 US-Dollar pro Tag.  Malaria und AIDS sind die großen Geißeln des Landes. Jedes Jahr sterben etwa 60.000 Menschen an Malaria, rund 6% der Bevölkerung zwischen 15 und 49 Jahren sind HIV-positiv. Verbreitet sind jedoch auch Cholera und typische Tropenkrankheiten wie Dengue-Fieber, Bilharziose und Schlafkrankheit. Die medizinische Versorgung der Menschen ist, trotz  erreichter Fortschritte, insgesamt unzureichend. Insbesondere in ländlichen Regionen.

o-TANZANIA-facebook

Abendstimmung im Nationalpark Serengeti

Tausende tansanische Kinder wachsen deshalb heute als Waisen auf. Die Lebenserwartung eines in 2017 geborenen Menschen in Tansania liegt bei etwa 60 Jahren und damit etwa zwei Jahrzehnte unter  der eines zeitgleich  Neugeborenen in Deutschland.

Bildung ist in allen Teilen der Welt ein Schlüssel zur Entwicklung. Das tansanische Schulsystem steht unter staatlicher Hoheit. Offiziell müssen seit 2002 keine Schulgebühren mehr bezahlt werden. In Wirklichkeit jedoch müssen sich die Eltern oft an den Bildungskosten beteiligen, etwa für Schulspeisung, Bücher, Schulmobiliar, Hefte oder Schuluniformen. Gerade in besonders armen, ländlichen Regionen führt dies zu einer ungerechten Verteilung an Bildungschancen.

DSC04215

Landestypischer Schulraum – Schülerinnen und Schüler in den üblichen Schuluniformen

Alles in allem Gründe genug für ein Engagement des ZAC e.V.

Vorläufiger Kostenvoranschlag

_____________________________________________________________________

B a u p h a s e  1

45.000 m² Baugrundstück
kostenfrei von der MeTL-Group/Tansania  im Gegenwert von       ca. 85.000 €
zur Verfügung gestellt.

Wegbau Grundstück

Die ersten beiden Bilder (v.l.n.r.) zeigen die Begehung der noch zugewachsenen Zuwegung zum späteren Baugrundstück. Bild 3 zeigt die in Handarbeit ausgefertigten Arbeiten zur Anlage der Zuwegung. Auf Bild 4 ist nach gut 14 Tagen der fast fertige, 1 km lange Weg zum Grundstück zu sehen.

Bodengutachten, Grundbucheintrag, Vermessungskosten, Rodung   ca.           3.500 €

Bau einer Zisterne (Brauchwasser) und eines
Tiefbrunnens (Trinkwasser) [18]                                                   ca.           6.000 €

Zisterne

Beispielbild Zisterne



Abwasserbecken                                                                          ca.           1.500 €

Pumpstation mit Wasserspeicher [22] (Beispielbild) und Verrohrung ca.         15.500 €
gespendet von Hargreaves raw material services GmbH
und Familie Eller, Duisburg

 

Wasserturm

Beispielbild Wassertank

 

Energiehäuschen Solar/Photovoltaik [16](Beispielbild) und Leitungen ca.       10.000 €

Solar

Beispielbild Stromversorgung via Solar-Panelen

 

Kinderwohnhaus 1 für 12 Kinder [1] (12m x 8.5m)                         ca.         10.000 €
gespendet von Hargreaves raw material services GmbH
und Familie Eller, Duisburg

Kinderwohnhaus 2 für 12 Kinder [1] (12m x 8.5m)                         ca.         10.000 €

Gemeinschaftshaus mit Speisesaal [2] und
sanitären Einrichtungen [3]                                                          
ca.        27.500 € 

Dorfküche im Gemeinschaftshaus [4]                                             ca.        10.000 €

Vorratsraum [5]                                                                           ca.          5.000 €
gespendet von Krohne Messtechnik GmbH, Duisburg

Baugrund planieren                                                                      ca.        30.000 €

_____________________________________________________________________

B a u p h a s e  2

Wohngebäude Dorfleitung mit Empfang und Verwaltung[6]               ca.       15.000 €

2 Wohnhäuser für Kinder [1] (12m x 8.5 m)                                    ca.       20.000 € 

Hofladen [9]                                                                                 ca.       10.000 €

Nutztierstallungen [12]                                                                  ca.        5.000 €

Kleinviehgehege [13]                                                                     ca.        3.500 €

Überdachter Spielplatz [19]                                                            ca.        3.000 €

Toranlage / Eingang Objektschutz                                                   ca.        2.500 €
gespendet von MSV Duisburg e.V.

Anbauflächen samt Gerätschaften [14] [15] [17]                             ca.         8.000 €

Pflasterarbeiten (Wege) im Dorfbereich                                           ca.       10.000 €

Mobiliar für alle Häuser                                                                  ca.       22.000 €

Garage und Geräteschuppen [7]                                                     ca.        5.000 €

Gebrauchter Geländewagen (Beispielbild) für Versorgungsfahrten      ca.      10.000 €

jeep

Beispielbild Nutzfahrzeug

______________________________________________________________________

B a u p h a s e 3

1 Wohnhaus für Kinder [1] (12m x 8.5 m)                                      ca.         10.000 €

2 Lodges für Touristen und Volontäre [11] (6 x 7 m)                       ca.         20.000 €

Überdachter Dorftreffpunkt [21]                                                    ca.          5.000 € 

Ausbildungsschlosserei und -näherei  [10]                                      ca.        20.000 €

Konkretes Beispiel der geplanten Werkstatthalle mit Rolltor.

 

Begrünung/Beschattung Dorfbereich                                              ca.           2.000 €
gespendet vom Grafschafter Lions Club (GLCM), Moers

Vorläufige Gesamtplankosten*                                                   ca.     301.000 €

*
Die Gesamtplankosten beinhalten keine Nachhaltigkeitskosten für Personal, Betriebskosten etc., sondern rein die  budgetierten Bauerstellungskosten + einige Anschaffungen neben den direkten Bauaktivitäten. Das Fußballfeld [20] findet noch keine Berücksichtigung in der Kostenplanung, da das die letzte Ausbaustufe sein wird.
Die Kostenermittlung basiert auf Referenzwerten ähnlicher Projekte in Tansania.